Landwirtschaft

Die Förderung der Landwirtschaft stellte einen Schwerpunkt der wirtschaftspolitischen Maßnahmen Justus Mösers dar. Im Mittelpunkt stand dabei  die Auflösung der so genannten „Marken“. Dabei handelte es sich um Wiesen, Heiden und Wälder, die gemeinschaftlich genutzt wurden. Sie dienten als Viehweide (z. B. Eichelmast der Schweine) und Vorrat an Holz, der als Werkstoff und Heizmaterial von großer Bedeutung war. Auf den Heiden wurden außerdem „Plaggen“ gestochen, die als Dünger auf das kultivierte Land ausgebracht wurden.

Die Marken galten zunehmend als Hindernis auf dem Weg zu einer seit der 2. Hälfte des 18. Jahrhunderts angestrebten intensiven, ertrags- und gewinnorientierten Landwirtschaft. Ziel war es, das Vieh nicht mehr zur Fütterung ins Freie zu treiben, sondern es ganzjährig im Stall zu halten. Auf den damit frei werdenden Flächen sollten dann Getreide und Futtermittel wie etwa Klee angebaut werden. Der durch die Stallfütterung gewonnene Viehmist konnte seinerseits wiederum als Dünger auf die Felder ausgebracht werden. Durch das dann überflüssige Plaggenstechen wurden neue Anbauflächen frei. Es gelang Justus Möser, die Auflösung der Marken gegen den Widerstand besonders des grundbesitzenden Adels, der um seine Vorrechte fürchtete, durchzusetzen.

Nicht durchsetzen konnte er sich dagegen im Hinblick auf die Abschaffung der Eigenbehörigkeit (eine Art Leibeigenschaft). Die Eigenbehörigen waren den zumeist adeligen Grundbesitzern zu zahlreichen Diensten und Abgaben verpflichtet und in ihrer persönlichen Freiheit (keine freie Wohnungswahl) eingeschränkt. In einem Brief äußerte Möser, dass er dies gern abgeschafft hätte, aber am Widerstand des Adels gescheitert sei. Andererseits besaß er selbst Zeit seines Lebens einen Eigenbehörigen. Zu einer Bauernbefreiung kam es auf dem Gebiet des Hochstifts Osnabrück erst 1831.

Wieviel dauerhafter ist dagegen ein Staat, dessen Wohl sich auf den Ackerbau gründet?

Justus Möser 1771