19. Jahrhundert

Ein entscheidender Impuls im Hinblick auf die Wertschätzung Justus Mösers im 19. Jahrhundert ging von dessen überaus positiver Erwähnung im 1814 erschienenen dritten Band von Goethes (1749-1832) Autobiografie Dichtung und Wahrheit aus. Noch heute weitbekannt ist die Formulierung vom „herrliche[n] Justus Möser“. In den folgenden Jahren erlebten die Möser-Rezeption und die Möser-Verehrung einen starken Aufschwung, wovon auf lokaler Ebene in besonderem Maße das 1836 eingeweihte Möser-Denkmal auf der Osnabrücker Domsfreiheit zeugt. Die deutschlandweite Anerkennung zeigt sich in der Aufstellung einer Büste Mösers in der 1842 als nationale Gedenkstätte eingerichteten Walhalla bei Regensburg. Im Vergleich mit den überwiegend positiven Urteilen steht Karl Marx (1818-1883) mit seiner harschen Kritik, Möser habe eine „blödsinnige westfälische Junkeransicht“ vertreten, relativ isoliert. Sein Zeitgenosse, der bedeutende Wirtschaftstheoretiker Friedrich List (1789-1846), veröffentlichte in den 1840er-Jahren dagegen sogar einige seiner Artikel unter dem Pseudonym „Justus Möser“ bzw. „Justus Möser der Jüngere“.

1824 gab Johann Carl Bertram Stüve (1798-1872) aus Mösers Nachlass den dritten Teil der Osnabrückischen Geschichte heraus. Die 1842 und 1843 von dem Osnabrücker Gymnasialdirektor Bernhard Rudolf Abeken (1780-1866) besorgte zehnbändige Ausgabe der Werke Mösers bildete für eineinhalb Jahrhunderte die Grundlage der Möser-Forschung. Wesentliche Impulse gingen von Mösers Werk für die sich im 19. Jahrhundert entwickelnde deutsche Volkskunde aus; zu Beginn des 20. Jahrhunderts wurde er geradezu als deren „Vater“ bezeichnet. Weniger Beachtung fand Möser dagegen in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts als Jurist, Historiker und Literat.

Wahrlich! seine Verdienste, als patriotischer Geschäftsmann, sind so unsterblich, als sein schriftstellerischer Ruhm.

Justus Gruner über Justus Möser, 1803