Die Zeitgenossen

Das Werk Justus Mösers war schon zu seinen Lebzeiten weit verbreitet und rezipiert, und dies nicht nur im deutschsprachigen Raum. So wurde etwa 1765 und 1766 der Harlekin ins Dänische bzw. Englische übersetzt. Überregional bekannt und gelesen waren auch die Patriotischen Phantasien, 1774 bis 1786 in vier Bänden erstmals herausgegeben von Mösers Tochter Jenny. Der berühmteste Leser war sicherlich Johann Wolfgang von Goethe (1749-1832); aber auch andere bedeutende Dichter wie z. B. Christian Friedrich Daniel Schubart (1739-1791), Matthias Claudius (1740-1815) oder Johann Peter Hebel (1760-1826) lasen die Beiträge und fertigten Auszüge aus ihnen. Viele Autoren aus anderen Gebieten Deutschlands verfassten Texte, in denen sie Motive und Inhalte aus den Phantasien übernahmen

Über Osnabrück hinaus erregte Mösers 1781 erschienene Schrift Über die deutsche Sprache und Literatur Aufsehen, in der er sich kritisch mit der Geringschätzung Friedrichs des Großen gegenüber der deutschen Kultur im Vergleich zur französischen auseinandersetzte. In den Augen seiner Anhänger wurde Möser dadurch zum Verfechter eines deutschen Patriotismus, womit er eine seinerzeit weit verbreitete Zeitströmung traf.

Das im 18. Jahrhundert am weitesten rezipierte Werk Mösers war jedoch seine Osnabrückische Geschichte. Durch die Aufnahme der Vorrede in die 1773 von Johann Gottfried Herder (1744-1803) herausgegebene Textsammlung Von deutscher Art und Kunst, die grundlegende Programmschrift des Sturm und Drang, wurde die Osnabrückische Geschichte weit über den Kreis der Historiker hinaus bekannt.

Durch seine skeptisch-ablehnende Haltung zur Französischen Revolution büßte Möser in den Jahren nach 1789 besonders bei der jüngeren Generation zunächst an Ansehen und Popularität ein. Die 1797 erschienene Biografie aus der Feder seines Freundes und Verlegers Friedrich Nicolai (1733-1811) brachte hier ebenso eine wesentliche Änderung wie die 1798 von Nicolai herausgebrachte achtbändige Gesamtausgabe der Werke Mösers.

Wie oft hab ich bei meinen Versuchen gedacht, was möchte wohl dabei Möser denken oder sagen.

Johann Wolfgang von Goethe 1781