Persönlichkeit

„… recht für den Umgang gemacht …“ – diese Einschätzung Georg Christoph Lichtenbergs (1742-1799) bestätigen auch die an unterschiedlichste Personen adressierten Briefe Mösers: Sie ergeben das Bild eines gewandten Schreibers, der zuvorkommend, freundlich und als Briefpartner oft säumig war. Er wirkt liebenswürdig, gegebenenfalls auch kokett, selbstbewusst, heiter im vertraulichen Umgang, korrekt in fachlichen Belangen, standesbewusst, treu und dankbar gegenüber ihm geschenktem Vertrauen, aber zurückweisend angesichts Ungerechtigkeit oder Fehleinschätzungen. Als weitere Züge Mösers lassen sich Gastfreundschaft, ein Hang zur Geselligkeit, wohl auch Freude am Lebensgenuss benennen. Außerdem zeichnete Möser eine lebenslange „intellektuelle Neugierde“, gepaart mit dem Willen zur Bewältigung eines enormen Arbeitspensums, unübersehbar aus. Bekannt ist ferner, dass Möser zeitlebens von einem (der Migräne ähnlichen) Nervenleiden geplagt war, das ihn mitunter gänzlich außer Gefecht setzte. Ob hierfür – neben ständiger Arbeitsüberlastung – auch seine Körperlänge von fast zwei Metern mitverantwortlich war, ist nicht bekannt.

Von Zeitgenossen werden sowohl Mösers freundliche Ausstrahlung als auch seine Distanziertheit benannt. Das Rollenspiel, das er in seinen kleinen Schriften bravourös beherrscht, macht es gleichwohl schwierig, Mösers Persönlichkeit zu fassen. So lässt sich die Frage, wie viel davon hier wirklich zutage tritt oder Teil seines Maskenspiels ist, kaum beantworten.

... recht für den Umgang gemacht, munter und gefällig im höchsten Grad, ... weiß sich zu jedermanns Fähigkeiten herabzulassen und zu erheben ...

Georg Christoph Lichtenberg 1772 über Justus Möser