Briefwechsel

Der Brief war das wichtigste private schriftliche Kommunikationsmittel des 18. Jahrhunderts – man spricht geradezu vom „Jahrhundert des Briefes“. Nicht nur Adelige, sondern auch Angehörige des gebildeten Bürgertums tauschten unzählige Schreiben aus, in denen nahezu alle Bereiche des menschlichen Lebens zum Thema wurden. Entsprechend spiegeln auch die Briefe von und an Justus Möser dessen weitgespanntes Interessens- und Schaffensfeld etwa als Politiker, Historiker, Publizist oder Philosoph. Auch der ‚private‘ Möser lässt sich in der Korrespondenz erkennen, obwohl ein großer Teil dieses Schriftverkehrs – v. a. mit Verwandten – von seiner Frau erledigt wurde.

Für eine Zeitspanne von über 50 Jahren sind derzeit circa 170 an Möser geschriebene Briefe belegt. Zudem wissen wir von etwa 500 von Möser verfassten Schreiben. Selbst wenn man eine beträchtliche Zahl verlorener Briefe annimmt, bleibt er im Vergleich zu vielen Zeitgenossen ein eher sparsamer Schreiber: Lichtenbergs  (1742-1799) erhaltener Briefwechsel etwa umfasst 3.300 Stücke, Lessing (1729-1781) kam auf circa 1.700. Möser selbst gestand, manchmal (v. a. im privaten Bereich) ein säumiger Korrespondent zu sein. Einige frühe Briefe sind noch in Latein geschrieben; daneben bediente sich Möser neben der deutschen Sprache, wie zu seiner Zeit üblich, des Französischen. So ist etwa der umfassendste Briefwechsel mit einer Einzelperson, dem Freund und Mentor Johann Friedrich von dem Bussche-Hünnefeld, fast ausschließlich auf Französisch verfasst.

Die 133 privaten Korrespondenzpartner Mösers entstammten überwiegend dem westfälisch-niedersächsischen Raum. Über die engere Region hinausreichende Schwerpunkte lassen sich (mit Ausnahme Berlins, wo der Freund und Verleger Nicolai lebte) nicht feststellen. Die Korrespondenz mit auswärtigen Briefpartnern bot Möser wichtige Möglichkeiten eines geistigen Austauschs mit Denkern und gelehrten Zeitgenossen weit über das eher begrenzte Osnabrücker Umfeld hinaus.

Ihre beiden letzten Briefe habe ich unbeantwortet gelassen, weil ich es mit guten Freunden so genau nicht nehme ...

Justus Möser 1777 an Friedrich Nicolai