Schledehausen

Ein Musterbeispiel für die pragmatische, auf Ausgleich zwischen widerstreitenden Parteien bedachte Politik Justus Mösers ist die Lösung eines langwierigen Konflikts in Schledehausen. In der Capitulatio perpetua von 1650, die in der Folge des Dreißigjährigen Krieges die konfessionelle Ausrichtung der einzelnen Kirchspiele des Hochstifts Osnabrück festlegte, war Schledehausen den Katholiken zugesprochen worden, obwohl die überwältigende Mehrheit der Einwohner evangelisch war. Dies bedeutete u. a., dass im Ort kein evangelischer Gottesdienst gefeiert werden durfte. Die Protestanten mussten zur Kapelle in der Schelenburg oder nach Bad Essen ausweichen. Dieser absurde Zustand hielt über mehr als hundert Jahre an, obwohl die zahlenmäßige Situation eindeutig war: 1772 standen 43 Katholiken 2.300 Protestanten gegenüber.

Justus Möser war es schließlich, der entscheidend zu einer Beendigung dieser unhaltbaren Situation beitrug. Als maßgeblichem Vertreter der evangelischen Partei gelang es ihm, den Widerstand des katholischen Domkapitels zu überwinden. Ein 1786 geschlossener Vergleich gestand der evangelischen Mehrheit die freie Religionsausübung zu; die Gemeinde durfte einen eigenen Pfarrer haben. Für ihre jeweiligen Gottesdienste sollten beide Parteien abwechselnd die bestehende (katholische) St. Laurentius-Kirche benutzen. Unglücklicherweise war die Regelung über Schledehausen mit einer ähnlichen Bestimmung über die religiösen Verhältnisse in Fürstenau verknüpft. Aufgrund der dort bestehenden Schwierigkeiten dauerte es bis 1803, dass der erste öffentliche evangelische Gottesdienst (an dem dann auch katholische Mitbürger teilnahmen) in Schledehausen gefeiert werden konnte. Seit 1898 schließlich verfügen beide Konfessionen über je eine eigene Kirche; die beiden, jeweils dem hl. Laurentius geweihten Gotteshäuser liegen einander im Ortskern unmittelbar gegenüber.

Weil zu Schledehausen die Catholische Gemeinde sehr geringe ist ...

Vertrag von 1786