Iburg

Unter den zahlreichen Orten, auf die sich Justus Möser in seinen Schriften und Briefen – vor allem in amtlichen und politischen Zusammenhängen – bezieht, tritt der südlich des Teutoburger Waldes gelegene einstige Flecken Iburg (heute Stadt Bad Iburg) aus biografischen Gründen hervor. Denn hier verlebte Möser zusammen mit seinem Bruder einen Teil seiner Jugend; so schreibt er später, er sei in Iburg „erzogen“ worden. Den Hintergrund dafür bildete das 1723 bis 1734 dort vom Vater Johann Zacharias Möser bekleidete Amt des Obergografen. Zu Wohn- und wohl auch Dienstzwecken mietete Mösers Vater den sogenannten Harlinghof oder auch Drostenhof des Benediktinerklosters an. Allerdings zog die Familie nicht dauerhaft in den beschaulichen Ort unterhalb der alten Bischofsresidenz. Seinen Hauptberuf als Advokat übte Mösers Vater vorrangig in Osnabrück aus.

Bei seinem Ausreißversuch Richtung ‚Ostindien‘ besorgte sich der kaum fünfzehnjährige Justus Möser „einige Wäsche“ aus dem Iburger Haus, wohin er bereits zu Fuß über den Teutoburger Wald gelaufen war. Er kam allerdings lediglich bis Münster, wo er – ungeübt sich durchzuschlagen und fast verhungert – kläglich strandete.

Die Neugestaltung des Iburger Residenzbereichs in den 1770er Jahren durch den Landbaumeister Franz Schaedler (1733-1796) dürfte Möser mit Interesse verfolgt haben, zumal Schaedler auch den letztgültigen Entwurf für den Osnabrücker Kanzleibau lieferte, mit dem sich Möser intensiv befasste. Der markante Burgberg umfasste zu Mösers Zeit neben der fürstbischöflichen Residenz ferner ein Benediktinerkloster, das in den 1750er Jahren komplett neu errichtet wurde und dessen Baufortgang Möser gleichfalls mit Interesse verfolgt haben dürfte.

Die heutige Stadt Bad Iburg zeichnet sich insbesondere durch diese doppelte Höhenburg sowie durch ihre ausgedehnten Kuranlagen im ehemaligen fürstlichen Waldgebiet aus.

... einige Wäsche u. s. w. für den Weg nach Ostindien

Justus Möser über seinen Ausreißversuch 1735